Posted by: Dirk | April 4, 2012

Neo-classical and Modern Monetary Theory – a balance sheet view

After having settled down at the Berlin School of Economics and Law – thanks for the nice welcome! – I have flipped through my files and found something which might be interesting for those following the Keen-Krugman debate. In his paper, Steve Keen draws two simple balance sheets in order to explain the fact that lending can actually increase aggregate demand because there are no savings needed to expand lending. I have made a bigger effort at portraying the balance sheets of the players in the economy last fall when I designed a Power Point file that shows how money is created according to the neo-classical view and the Modern Monetary Theory/Post-Keynesian view.

In the slides, you can see the assets and liabilities of banks, the central bank, government and households change according to the laws of double-entry bookkeeping. I go through all forms of money creation and show the results in the balance sheets while omitting changes in prices. Nevertheless it is interesting to see the different perceptions of money creation work their way through the balance sheets, I think. Since I have used proprietary software (MS PowerPoint) for the creation of the file, only those with new version of MS Office will be able to open it for sure. However, there is a PowerPoint viewer by Microsoft which is free and should also bring the slides to life. It can be downloaded here. Last but not least here comes the presentation file:

Neo-classical and Modern Monetary Theory – a balance sheet view (.pptx)
Last update: April 10th, 2012. Feedback is appreciated. All remaining errors in the file are mine alone.

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Responses

  1. Hi Dirk. In the PPT, the T tables have overlapping text boxes (like “100” over a “50”). Is this intentional?

    • That is a formatting problem with Power Point. In some versions it looks good, in other it doesn’t. Sadly, I don’t know how to solve it 😦

  2. Den Blickwinkel ändern, Neues bemerken und Alternativen entdecken
    Eigentlich habe ich ja nichts Neues zu berichten, alles ist bekannt, sollte den studierten Fachleuten
    jedenfalls bekannt sein, das Rad muss nicht neu erfunden werden. Und es dürfte einem
    Normalverbraucher keine Schwierigkeiten bereiten, das alles mit gesundem Menschenverstand zu
    verstehen. Aber seltsam, fast keiner will davon etwas wissen. Ob es sich dabei um Linke oder
    Rechte handelt, um Geldfachleute oder -reformer, um studierte Ökonomen oder Gewerkschaftler,
    man will einfach nicht darüber nachdenken. Und veröffentlichen will man so etwas auf keinen Fall.
    Bei Ökonomen und Normalsterblichen sind die Grundsätze von Buchhaltung und Bilanzierung
    unbestritten, ebenso die darauf aufbauende volkswirtschaftliche Saldenmechanik. Da gibt es immer
    zwei per def. gleiche Seiten wie Soll und Haben, Einnahmen und Ausgaben, Geldvermögen und
    Geldschulden (wie immer abgegrenzt), Exporte und Importe global, die sich immer zu Null addieren.
    Wenn man die Ausgaben an einer Stelle um einen bestimmten Betrag kürzt, dann sinken die
    Einnahmen an anderer Stelle um mindestens denselben Betrag, wenn alle Geldschulden getilgt
    werden, dann gibt es auch keine Geldvermögen mehr, und die Wirtschaft ist kollabiert. In der
    öffentlichen und veröffentlichten Diskussion scheint man solche Banalitäten verdrängt zu haben.
    Bei Ökonomen, jedenfalls solchen ohne ideologische Scheuklappen, gibt es auch keinen Streit
    darüber, dass Wirtschaft nur dann funktionieren kann, wenn alle wirtschaftlich relevanten
    Angelegenheiten gesetzlich geregelt sind. Und diese gesetzlichen Regelungen werden von Politikern
    gemacht und durchgesetzt. Wenn eine solche gesetzliche Regelung ihren Zweck nicht erfüllt, nicht
    zielführend ist, dann wird ein verantwortungsvoller Politiker sie modifizieren oder kassieren und
    durch ein besseres Gesetz ersetzen. Nebenbei bemerkt: Politiker können und dürfen sich nicht wie
    Theologen oder Juristen verhalten, die Gesetze auslegen und für deren Einhaltung Sorge tragen,
    Politiker haben eben diese Gesetze zu verfassen, zu gestalten unter dem Gesichtspunkt, dass sie der
    Wohlfahrt und Nachhaltigkeit der Gesellschaft dienen. Oberste Gerichte müssen Politiker an diese
    Pflichten erinnern, sie in wichtigen Fällen dazu auffordern, notwendige gesetzliche Regelungen zu
    beschließen. – Dieses Primat der Politik wird von allen Politikern in Sonntagsreden beschworen, es
    wäre zu wünschen, dass es auch im Alltag gilt. Jedenfalls sollte der mündige Wahlbürger den
    Politikern nicht erlauben, dass sie sich aus der Verantwortung stehlen, indem sie sich auf
    Sachzwänge berufen. Bei solcher Betrachtung der Lage kann es solche Sachzwänge nämlich gar
    nicht geben.
    Nach der Aufgabe des Goldstandards wurde von Ökonomen zur Kenntnis genommen, dass es
    weltweit nur noch fiat money gibt, dass sich die staatliche Theorie des Geldes in der Realität
    durchgesetzt hat, nach der Geld ein staatliches Konstrukt ohne eigenen Wert ist. Diese staatliche
    Theorie des Geldes (Chartalismus) wurde von Modern Monetary Theory unter Einbeziehung der
    Einsichten von Keynes, Lerner, Minsky u.a. weiterentwickelt und mit dem Konzept von Jobgarantie
    verbunden. MMT kam dabei schlüssig und logisch einwandfrei zu der Feststellung: Ein souveräner
    Staat mit eigener Währung hat bei der Finanzierung seiner Ausgaben und Aufgaben keine
    Schwierigkeiten, wenn er sich nicht in fremder Währung verschuldet; als Herausgeber der eigenen
    Währung durch die staatliche Institution Zentralbank ist er im Prinzip nicht auf Einnahmen durch
    Steuern, Abgaben oder Anleihen angewiesen, diese dienen vielmehr politischen Zielen wie der
    Korrektur von Marktergebnissen, der Verhinderung von Inflation usw. Wenn nun ein solcher Staat
    zwecks Bezahlung seiner Ausgaben sein eigenes Geld direkt in den Wirtschaftskreislauf einschleust,
    in den Privatsektor (Privathaushalte und Unternehmen des Inlandes) einspeist, dann kann es keine
    Forderung nach Zinszahlung oder Schuldentilgung seitens des Privatsektors oder Auslandes geben,
    da der Staat ja nur bei sich selbst verschuldet ist. In der Realität und Realwirtschaft verwandeln sich
    diese virtuellen Schulden in öffentliches Vermögen, in Infrastruktur im weitesten Sinne. Natürlich
    lassen sich diese fiktiven Schulden rein theoretisch tilgen, wenn der Staat dieses öffentliche
    Vermögen zu Herstellungspreisen an den Privatsektor verkauft (privatisiert) und die dabei erzielten
    Einnahmen an die Zentralbank zwecks Tilgung der “Schulden” weiterreicht. Dann fehlt das Geld
    allerdings im Privatsektor und in der Privatwirtschaft.
    Um es klar und deutlich zu wiederholen: Es muss klar unterschieden werden zwischen dem
    Staatssektor und dem Privatsektor, es muss demzufolge auch ein zweistufiges Bankensystem geben:
    die Zentralbank ist als staatliche Institution dem Staatssektor zugeordnet, im Privatsektor gibt es ein
    zweites Bankensystem, das mit dem Privileg ausgestattet ist, dass es Geld „schöpfen“ darf und
    Kredite vergeben , und das sorgfältig reguliert und beaufsichtigt werden muss. Eine staatliche
    Finanzierung, die zu virtuellen Schulden führt, ist bislang verboten, weil das starken wirtschaftlichen
    Interessen widerspricht, und ist entsprechend gesetzlich geregelt ist. Diese virtuellen Schulden
    müssen gedanklich scharf unterschieden werden von den Schulden, die ein Staat macht, wenn er
    Anleihen auflegt und diese an den Privatsektor verkauft zwecks Erzielung von Einnahmen; solche
    staatlichen Anleihen werden im Privatsektor gehandelt, dafür müssen Zinsen gezahlt werden, diese
    Schulden müssen auch getilgt werden.
    Angesichts des riesigen Investitionsstaus gerade im öffentlichen Bereich sollte es an der Zeit sein,
    auf diesem Wege (mittels virtueller Schulden) öffentliches Vermögen aufzubauen, zu investieren und
    mit der Manie von Privatisierung aufzuhören, mit dieser Verschleuderung des öffentlichen
    Vermögens. Denn mangels Gewinnaussichten wird ja von den Privatunternehmen seit längerer Zeit
    nicht mehr in die Realwirtschaft investiert, entsteht also auch da eine Investitionslücke und
    vergrößert die in der Volkswirtschaft insgesamt.
    Sicher, ein gewöhnungsbedürftiger Denkansatz, aber das ist kein hinreichender Grund, um jede
    Diskussion darüber zu verweigern. Und mir geht es zunächst einmal darum, dass so etwas ernsthaft
    diskutiert wird. In diesem Falle könnte man nämlich dank besserer Diagnose die Banken- und
    Finanzkrise von ihren Ursachen her angehen und sogar lösen. Und das ewige Gerede über die
    Staatsschulden könnte ad acta gelegt werden, weil es schlichter Aberglaube ist. Natürlich ist mir auch
    klar, dass es erhebliche Schwierigkeiten geben wird bei der Regelung des Finanzbereichs im
    Privatsektor, wo es vornehmlich um Privilegien geht und deren Verteidigung. Aber vielleicht würde
    die Finanzkrise dann nicht mehr alle anderen Probleme aus den Blickwinkel verdrängen, könnte sich
    die Politik ernsthaft mit den wirklich wichtigen Themen der Nachhaltigkeit beschäftigen. Ich gebe
    die Hoffnung jedenfalls nicht auf, vielleicht ist der Mensch ja kein Irrläufer der Natur, wie A.
    Koestler meinte, der scheitert, weil er seine Lebensgrundlagen vernichtet.
    Falls man übrigens an einer gut lesbaren und mit historischen Fakten gespickten Darstellung der
    gegenwärtigen Wirtschaftslage interessiert ist, dann kann ich ohne Vorbehalt empfehlen “Der Sieg
    des Kapitals” von Ulrike Herrmann; ich habe bei der Lektüre eine Menge gelernt. Und falls man
    einen logischen Fehler in meiner Argumentation entdeckt, dann teile man mir das bitte mit; ich falle
    anderen nämlich nicht gern mit Unsinn auf den Wecker.
    PS 1: Financial debt is a debt, but government debt is financial wealth to the private sector
    (jedenfalls bei keiner Auslandsverschuldung in fremder Währung und außenwirtschaftlichem
    Gleichgewicht; R. Wray, einer der Pioniere von MMT)
    PS 2: Den USA gelingt es bislang immer noch, sich auch im Ausland in eigener Währung zu
    verschulden, so dass sie keine Schwierigkeiten bei der Zinszahlung haben; die
    Staatshaushaltsprobleme und die Schuldenobergrenze sind hausgemacht; der Gesetzgeber könnte
    diese gesetzliche und finanzielle Selbstfesselung der Politik per Gesetz auflösen, falls Wall Street das
    erlauben würde, was unwahrscheinlich ist. Es müsste ein zweistufiges Bankensystem installiert
    werden mit der Zentralbank als staatlicher Institution einerseits, dem Bankensektor im Privatsektor
    andererseits, wie von MMT vorgeschlagen.


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